Buchwissenschaft
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Von Bestsellerfieber und Herzensangelegenheiten - Podiumsdiskussion

über den „Drahtseilakt Büchermachen“ bringt aktuelle Entwicklungen der Verlagsarbeit zur Sprache

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Nirgends lässt sich so gut über Bücher sprechen wie an einem Ort, an dem sich alles um Bücher dreht – in einer Buchhandlung. Dies konnten die Besucher der Podiumsdiskussion zum Thema „Drahtseilakt Büchermachen“ am vergangenen Dienstag, 15. Januar 2013, hautnah miterleben. In den Verkaufsräumen der Hugendubel-Filiale in den Fünf Höfen fanden sich zahlreiche Interessierte, Studierende und Gäste aus der Buchbranche ein, um dem Gedankenaustausch der drei geladenen Verlagsexperten im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Endlich erwachsen? Jugendliteratur im epochalen Wandel“ der Studiengänge Buchwissenschaft der LMU München zu folgen.

Büchermachen: eine Gratwanderung

Gabriele Leja, Programmleiterin der Reihe Hanser im dtv, Sebastian Zembol, Verleger des Münchner Verlags mixtvision, und Dr. Paula Peretti, Verlagsleiterin des Boje-Verlags, die eigens aus Köln angereist war, diskutierten angeregt über Fragen der Moderatorin und Kritikerin Christine Knödler sowie der drei moderierenden Studentinnen. Eines der zentralen Themen: Welche Ansprüche stellen junge Leser und die Verleger selbst an gute Kinder- und Jugendliteratur?

„Eine sorgfältige Auswahl der Texte, eine schöne Sprache und die Vermittlung von wichtigen Themen sollten ein Jugendbuch ausmachen“, erklärte Gabriele Leja. „Die Auffassung 'Literatur ist schwierig' ist hingegen völlig falsch. Gute Unterhaltung entsteht durch gute Texte“, stellte die Programmleiterin klar. Sebastian Zembol warnte außerdem vor voreiliger Tabuisierung bestimmter Inhalte: „Die Freude am Lesen steht bei unseren Büchern im Mittelpunkt. Dabei sind auch schwierige Themen wichtig, weil sie die Leser anregen, Schlüsse für das alltägliche Miteinander daraus zu ziehen“, so der Verlagsleiter und Familienvater.

Wer macht die Bestseller?

Dass es in Zeiten vom um sich greifendem Bestsellerfieber, unerschöpflichen Serientrends und finanziellem Erfolgsdruck nicht immer einfach ist, Herzensangelegenheiten im Verlagsprogramm zu positionieren, machte Dr. Paula Peretti deutlich: „Bestseller werden von den Marketingabteilungen bewusst forciert. Aber durch den Erfolg von Spitzentiteln werden wichtige kleinere Neuerscheinungen mitgetragen.“ Außerdem sei die Entwicklung von Trends, wie derzeit die Dystopien, ein Zeichen für die Interessen und Bedürfnisse der lesenden Jugendlichen, auf die man reagieren müsse. Nicht zuletzt wurden die Chancen neuer Medien im Jugendbuchbereich diskutiert.

Hohe Konzentration in einer engagierten Debatte, Begeisterung fürs Thema, Interesse für die Erfahrungen und Thesen der Mitstreiter, Sorgfalt und Neugierde in der eigenen Programmgestaltung – keine Frage: Es saßen leidenschaftliche Büchermacher auf der Bühne. Nach fast zwei Stunden intensiver Gespräche zeigten sich alle zufrieden über einen geglückten Abend: Leiterin der Hugendubel-Filiale Margit Immel, Moderatorin des Abends Christine Knödler, die Gäste des Podiums und das Publikum. Denn Büchermachen und Bücher, das hat sich einmal mehr gezeigt, sind der Rede wert.

Saskia Schönherr